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Was “Die Hütte” mit dem Montanismus gemeinsam hat…

Jan 18, 2010 4 Kommentare von Andy

Ich habe vor einigen Monaten das Buch “Die Hütte” von William Paul Young gelesen. In dem Buch wird Gott mit einer beleibteren farbigen Frau dargestellt, der Heilige Geist als halbtransparente Asiatin und Jesus als nahöstlicher Schreiner. Was davon zu halten ist möge in diesem Beitrag mal nicht besprochen werden. Nun bin ich aber auf interessante Quellen einer Sekte aus dem 2.Jh.n.Chr. gestoßen: Die Montanisten. Die Montanisten waren eine Sekte mit einem Anführer namens Montanus. Der machte oft komische Prophetien – Euseb berichtet, dass er von einem satanischen Geist besessen war. Auf jeden Fall hat er sich auch zwei Frauen mit ins Team geholt, die mit ihm Prophetien bekamen: Prisca und Maximilla. Die erste hatte eine interessante Vision, die mich sehr an das Buch “Die Hütte” erinnert:

“(Christus) kam zu mir … in Gestalt einer Frau und in leuchtendem Gewand und legte in mich seine Weisheit und offenbarte mir, dass dieser Ort (Gemeint ist Pepuza in Phrygien) heilig sei und hierhin das himmlische Jerusalem herabkommen würde.”

- Euseb, Kirchengeschichte 5

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Über den Autor

Andy macht leidenschaftlich gerne Jugendarbeit, ist verheiratet und der Erfinder von Holysheep.

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4 Kommentare auf “Was “Die Hütte” mit dem Montanismus gemeinsam hat…”

  1. Tobias Lampert sagt:

    Hallo Andy!

    Mal abgesehen davon, daß ich “Die Hütte” nicht gelesen habe – man wird wohl in vielen Romanen, christlichen Abhandlungen etc. immer irgendwelche Parallelen auch zu Phänomenen der Kirchengeschichte finden können. Die Frage ist, wie diese Parallelen zu werten sind.

    Ich vermute einmal, der Autor von “Die Hütte” hatte nicht die Absicht, mit den Figuren seines Romans dogmatische Aussagen über die Trinität zu treffen – und ich vermute auch, daß er mit dem Buch keine Privatoffenbarungen verbreiten wollte. Er wollte wohl schlicht und ergreifend einen Roman schreiben – und ein Roman hat nun einmal zunächst eine fiktive bzw. fiktionale Handlung. Wenn damit zugleich ein Gleichnis über die göttliche Wirklichkeit verbunden werden soll, muß man fragen, worin genau das Gleichnis trifft und hilfreich ist, und was es wiederum vielleicht gar nicht über Gott aussagen will.

    Wie gesagt, ich habe “Die Hütte” (noch) nicht gelesen, von daher kann ich nicht bewerten, wie sinnvoll und gelungen die Darstellung Gottes hier ist – andererseits bleibt die Frage, was Du mit dem Hinweis auf den Montanismus bezweckst? ;-)

    LG,
    Tobias

  2. Andy sagt:

    Hey Tobias,

    ich habe die Hütte als Hörbuch gekauft und gehört. Der Artikel wertet das Buch nicht: Aber hier sage ich mal, dass einige der Aussagen im Buch einen komischen Eindruck auf mich gemacht haben.

    Ich wollte mit dem Beitrag einfach auf eine parallele der Kirchengeschichte hinweisen. Aber du hast recht: Die Hütte ist ein Roman und keine Dogmatik.

    Früher hat mal ein Politik und Wirtschaft Lehrer von mir gesagt, dass nicht die Lügen das schlimmste in der Zeitung sind, denn die kann man ja entlarven, sondern die Halbwahrheiten. Damals bezog er sich auf eine Zeitung die sich mit dem Wort “Kilt” reimt. Und eben so etwas halbes ist die Hütte auch. Einerseits zwar ein Roman, andererseits macht er so viele “die Bibel erklärende Aussagen”, dass er von vielen Lesern (leider) zu ernst genommen werden kann.

    Ron Kubsch hat via Facebook noch diese Rezension angemerkt:

    http://matthiasmedia.com.au/briefing/library/5395/

    lG
    Andy

  3. Andy sagt:

    Eine andere interessante Rezension von Michael Kotsch:
    http://www.agwelt.de/2009-08/die-huette-oder-wp-youngs-begegnung-mit-gott/

    Vor allem das Resümee des o.g. Artikels ist sehr aussagekräftig.

    “Resümee
    Die Hütte bedient offensichtlich den Massengeschmack religiös ausgerichteter Menschen. Leicht verdauliche und allgemein akzeptierte religiöse Überlegungen werden dem Leser mit vielen Bildern und Gefühlen vermittelt: Gott ist überall. Keine Religion habe einen exklusiven Zugang zum Himmel. Kirchliche Organisationen spielen keine wesentliche Rolle für die Verbindung mit Gott. Feste Glaubenssätze oder biblische Wahrheiten behinderten sogar einen echten Glauben. Gott respektiere den freien Willen jedes Menschen auch in ethischen Alltagsfragen. Keinesfalls stelle er irgendwelche Forderungen oder Gebote auf, nach denen die Erdenkinder sich zu richten haben. Gott sei reine Liebe, reines Verständnis und macht natürlich nie etwas, was dem Menschen weh tun könnte. (Dagegen z.B. 2Kor 12,7; Hebr 12,5ff; Offb 3,19).
    Zweifellos werden im Roman zahlreiche Wahrheiten über Gott vermittelt, die sich auch in der Bibel finden. Allerdings ist die Theologie doch sehr stark durch die subjektive Sichtweise des Autors bestimmt:
    - Gott begegnet dem Menschen, nach Young, kaum in einer organisierten Kirche oder Gemeinde, sehr wohl aber in der Natur, in Visionen und in anderen Religionen.
    Der Große Geist der Indianer ist für Young lediglich ein anderer Name für Gott (36). Später bekennt Jesus: „Ich bin kein Christ.“ Auch wolle Gott keinesfalls Menschen zu Christen zu machen: „Jene, die mich lieben, kommen aus allen existierenden Systemen. Sie waren Buddhisten oder Mormonen, Baptisten oder Muslime …“ (209)
    - Christliche Organisationen und Gemeinden kommen bei Young nicht gut weg. An keiner Stelle findet sich ein positiver Bezug zur Kirche. Auch Jesus steht im Roman den von Menschen geschaffenen Kirchen kritisch gegenüber (204ff).
    - Die Zehn Gebote und andere biblischen Regeln haben, nach Young, für den mit Gott lebenden Menschen keinerlei Bedeutung mehr. Sie sollen lediglich dazu führen, „den Versuch aufzugeben, aus eigener Kraft rechtschaffend sein zu wollen. … In Jesus unterliegst du keinem Gesetz. Alle Dinge sind erlaubt.“ (234f)
    - Das Gottesbild in “Der Hütte” ist eine sehr amerikanische Verkörperung der Trinität, Vater, Sohn und Heiliger Geist, hübsch genderbewusst und multikulturell uminterpretiert. Gott ist total menschlich, er speist gerne, hält auch schon einmal einen Mittagsschlaf, er benimmt sich tollpatschig bei der Arbeit und vor allem: Er interessiert sich nur für das Wohlbefinden des Menschen, von dem er sich alles gefallen lässt. Von Unnahbarkeit, Heiligkeit oder Gerechtigkeit Gottes findet sich bei Young keine Spur (102f, 116, 119f, 133f, 254).
    Die Hütte wird von Lesern vollkommen unterschiedlich wahrgenommen. Am positivsten reagieren religiöse Menschen, die selber schweres Leiden in ihrem Leben erfahren haben und postmodern geprägte Gläubige. Distanzierter geben sich Personen, die keinen Bezug zu Gott im weitesten Sinn haben und sich an keine leidvolle Vergangenheit erinnern. Kritisch wird der theologisch denkende Christ an die Hütte herangehen. Er wird sich zurecht stärker an den unterschwellig vermittelten Aussagen über Gott, die Bibel, Kirche und Heil stoßen.”

  4. Tobias Lampert sagt:

    Hallo Andy!

    Die Gefahr, daß ein solches Buch hinsichtlich “theologischer” Aussagen zu ernst genommen wird, sehe ich auch gegeben – ich bin da allerdings eher ein Verfechter “künstlerischer Freiheit” als jemand, der von einem Buch erwartet, daß es “theologisch korrekt” etc. ist, sprich: das Problem liegt für mich eher beim Leser als beim Autor. Das heißt nicht, daß man manche Probleme nicht ansprechen dürfte und, wenn es angebracht ist, auch ansprechen muß – da stimme ich Dir vollkommen zu! Völlig klar ist, daß man jemandem, der von der Lektüre erwartet, sich die oftmals anstrengendere und langwierigere Bibellektüre ersparen zu können, dementsprechend darauf hinweisen sollte, daß ein Roman – und sei er noch so gut – genau das eben nicht leisten kann und darf.

    In Blick auf die Rezension von Michael Kotsch kann ich zwar einigen Aussagen durchaus zustimmen – aber auch da fehlt mir einfach komplett eine Reflexion darüber, daß “Die Hütte” eben keine alternative Dogmatik etc. vorschlägt, sondern zunächst einmal einfach als Roman gelesen werden will. Wird das unterschlagen, wird man weder dem Autor, noch seinem Werk gerecht. Darum geht es mir eigentlich.

    Den Artikel, auf den Ron Kubsch hingewiesen hat, kenne ich noch nicht – werde ich mir bei Gelegenheit einmal ansehen. Danke für den Hinweis darauf!

    LG,
    Tobias

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